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Geschlechtsidentität: Bedeutung und respektvolle Ansprache

Geschlechtsidentität beschreibt, wie ein Mensch das eigene Geschlecht erlebt und versteht. Jemand kann sich zum Beispiel als Frau, Mann oder nichtbinär verstehen. Aus Kleidung, Stimme oder dem Namen allein lässt sich das nicht zuverlässig ableiten.

Identität, Ausdruck und Orientierung: drei verschiedene Fragen

Diese Begriffe werden leicht vermischt. Die folgende Übersicht trennt, worum es jeweils geht:

Begriff Die Frage dahinter Ein Beispiel
Geschlechtsidentität Wie verstehe ich mein Geschlecht? Eine Person beschreibt sich als Frau.
Geschlechtsausdruck Wie zeige ich mich nach außen? Dieselbe Person trägt gern Anzüge und kurzes Haar.
Sexuelle Orientierung Zu wem fühle ich mich hingezogen? Sie bezeichnet ihre Orientierung als lesbisch.

Die Beispiele gehören zu einer ausgedachten Person. Der Anzug erklärt weder ihr Geschlecht noch ihre Orientierung. Das Glossar des Bundesfamilienministeriums unterscheidet ebenfalls zwischen Geschlechtsidentität und Geschlechtsausdruck.

Was bedeuten cis, trans und nichtbinär dabei?

Cis und trans beschreiben das Verhältnis zwischen der eigenen Identität und dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht. Passt beides zusammen, wird dafür cis verwendet; passt es nicht oder nicht vollständig zusammen, kann trans die passende Selbstbezeichnung sein. Eine trans Frau ist eine Frau. Trans steht in einer Aufzählung deshalb nicht einfach als weiteres Geschlecht neben Frau und Mann.

Nichtbinär ist ein Oberbegriff für Geschlechtsidentitäten, die nicht ausschließlich in die Einteilung Frau oder Mann passen. Manche nichtbinären Menschen bezeichnen sich auch als trans, andere nicht. Welches Wort jemand verwendet, entscheidet die Person selbst.

Wie fragst du nach Namen und Pronomen?

Ein einfacher Satz reicht: „Wie möchtest du angesprochen werden?“ Oder: „Welche Pronomen verwendest du?“ Du musst daraus kein öffentliches Gespräch machen und auch keine Begründung verlangen. Pronomen sind die Wörter, mit denen du über jemanden sprichst, etwa sie oder er. Manche Personen verwenden andere Formen oder möchten, dass ihr Name wiederholt wird.

Ein ausgedachtes Beispiel: Alex sagt, dass du bitte den Namen statt eines Pronomens verwenden sollst. Dann wird aus „Er kommt später, ich habe ihn eingeladen“ einfach „Alex kommt später. Ich habe Alex eingeladen.“ Du brauchst dafür keine Erklärung über Alex’ Körper oder frühere Namen.

Drei Situationen im Alltag

  • Eine Person nennt dir einen neuen Namen: „Danke, dass du mir das sagst. Ich verwende den Namen ab jetzt.“ Frag bei Bedarf, ob du ihn auch in einer bestimmten Gruppe verwenden sollst.
  • Dir rutscht das falsche Wort heraus: Korrigiere dich kurz: „Sie, entschuldige, hat den Termin übernommen.“ Eine lange Entschuldigung unterbricht das Gespräch unnötig.
  • Andere fragen nach privaten Informationen: „Das ist nicht meine Geschichte, die ich erzählen kann.“ Ein vertrauliches Gespräch ist keine Erlaubnis, jemanden vor anderen zu outen.

Wenn du selbst nach einer Beschreibung suchst

Du darfst zwischen dem unterscheiden, was du schon weißt, und dem, was noch offen ist. Zum Beispiel: „Mit diesem Namen fühle ich mich wohl. Welcher Begriff mein Geschlecht am besten beschreibt, weiß ich noch nicht.“ Eine konkrete Bitte bleibt verständlich, auch ohne fertige Erklärung.

Du bist nicht verpflichtet, jeder Person dieselben Details zu erzählen. Entscheide, mit wem du sprechen möchtest und was du für dich behalten willst. Ein Gespräch kann bei einer kleinen Änderung beginnen; es muss nicht deine gesamte Lebensgeschichte klären.