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Slutshaming erkennen: Abwertung einordnen und respektvoll reagieren

Slutshaming bedeutet, Menschen wegen ihrer Sexualität oder ihres sexuellen Ausdrucks abzuwerten oder zu beschämen. Das kann sich auf tatsächliche Erfahrungen beziehen, aber auch auf Vermutungen über Kleidung, Flirts oder Beziehungen. Entscheidend ist nicht, ob ein Gerücht stimmt: Herabsetzung bleibt Herabsetzung. Eine knappe Erklärung des Begriffs findest du auch bei Pinkstinks.

Woran du Slutshaming erkennen kannst

Typisch sind Kommentare, die jemanden als unmoralisch oder weniger respektabel darstellen, weil die Person angeblich „zu sexuell“ sei. Auch Spekulationen über das Privatleben oder Bemerkungen, die einer Person die Schuld für die Reaktionen anderer geben, können abwertend sein.

Ein Beispiel: „Mit so einem Outfit musst du dich nicht wundern.“ Der Satz macht die Kleidung für das Verhalten anderer verantwortlich. Ein anderer Fall wäre ein abfälliges Urteil über die Zahl früherer Beziehungen. Ob solche Bemerkungen als Witz gemeint sind, ändert nicht automatisch, wie sie auf die betroffene Person wirken können.

Eine persönliche Grenze ist nicht dasselbe wie Abwertung

Du darfst eigene Wünsche, Werte und Grenzen haben. Du kannst zum Beispiel sagen, dass du in einer Beziehung bestimmte Absprachen möchtest oder ein Thema nicht besprechen willst. Wichtig ist, die eigene Haltung als deine Haltung zu formulieren, statt andere Menschen dafür herabzusetzen.

  • Eigene Grenze: „Ich möchte in meiner Beziehung über Verbindlichkeit sprechen.“
  • Abwertung: „Wer sich so kleidet, ist selbst schuld, wenn man schlecht über sie redet.“
  • Eigene Grenze: „Über meine früheren Erfahrungen möchte ich nicht sprechen.“
  • Abwertung: „Menschen mit vielen früheren Beziehungen sind weniger respektabel.“

Du musst nicht jede Meinungsverschiedenheit als Slutshaming bezeichnen. Achte darauf, ob jemand ein eigenes Bedürfnis beschreibt oder einer anderen Person wegen vermuteter oder tatsächlicher Sexualität ihren Wert abspricht.

Wenn du selbst abgewertet wirst

Du musst dich nicht rechtfertigen oder private Einzelheiten preisgeben. Überlege, was du in dem Moment möchtest: Soll der Kommentar aufhören, möchtest du das Thema wechseln oder lieber gehen? Ein kurzer Satz kann genügen:

  • „Bitte kommentiere meine Kleidung nicht auf diese Weise.“
  • „Über mein Privatleben möchte ich nicht sprechen.“
  • „Du darfst anderer Meinung sein, aber ich möchte nicht abgewertet werden.“
  • „Ich möchte das Gespräch jetzt beenden.“

Wenn es gerade nicht passt, etwas zu sagen, ist das ebenfalls eine Möglichkeit. Du musst eine Situation weder sofort erklären noch allein lösen.

Wenn du einen abwertenden Kommentar mitbekommst

Wähle eine Reaktion, die zur Situation passt und sich für dich machbar anfühlt. Du kannst den Kommentar kurz benennen, ohne eine lange Diskussion zu beginnen:

  • „Lass uns nicht über ihr Privatleben spekulieren.“
  • „Die Bemerkung wertet sie ab. Bitte hör damit auf.“
  • „Es geht mir nicht darum, dir jede Meinung zu verbieten. Ich möchte nicht, dass wir jemanden wegen seines Privatlebens herabsetzen.“

Wenn die Stimmung angespannt ist oder ein direkter Einwand für dich nicht sicher erscheint, musst du dich nicht in eine Auseinandersetzung bringen. Du kannst das Thema wechseln, dich entfernen oder später in Ruhe mit der betroffenen Person sprechen.

Unterstützung anbieten, ohne für andere zu entscheiden

Sprich, wenn möglich, unter vier Augen mit der betroffenen Person. Frage offen, statt anzunehmen, was sie braucht: „Ich habe den Kommentar gehört. Möchtest du darüber reden, lieber das Thema wechseln oder soll ich dich einfach begleiten?“ Sie kann auch ablehnen oder erst später antworten.

Verbreite keine privaten Informationen und dränge niemanden dazu, öffentlich Stellung zu nehmen. Wenn du bei einem späteren Gespräch dabei sein sollst, kläre vorher, ob und welche Unterstützung gewünscht ist. Auch ein einfacher Satz wie „Ich glaube dir, und du musst mir nichts erklären“ kann den Raum für ein Gespräch lassen, ohne eine Lösung vorzugeben.

Ein erfundenes Beispiel aus dem Freundeskreis

Bei einem Treffen macht jemand eine abfällige Bemerkung über die Kleidung einer Freundin und spekuliert darüber, mit wem sie ausgeht. Du könntest kurz sagen: „Das ist ihre Sache. Lass uns nicht über sie spekulieren.“ Damit musst du weder die Vermutung prüfen noch private Informationen ergänzen.

Später kannst du sie allein fragen: „Der Kommentar vorhin war daneben. Möchtest du darüber sprechen oder lieber etwas anderes machen?“ Vielleicht möchte sie reden, vielleicht nicht. Du kannst dich nach ihrem Wunsch richten, ohne ihr vorzuschreiben, wie sie reagieren soll.

Wenn du selbst jemanden abgewertet hast

Vielleicht merkst du erst später, dass dein Spruch über die Zahl früherer Partner verletzend war. Du kannst Verantwortung übernehmen, ohne eine große Erklärung zu verlangen: „Ich habe abfällig über dein Privatleben gesprochen. Das war nicht in Ordnung. Ich werde es nicht wiederholen.“

Falls du die Bemerkung vor anderen gemacht hast, frage, ob die betroffene Person eine Klarstellung in dieser Runde möchte. Erzähle dabei nicht erneut die privaten Einzelheiten. Eine Entschuldigung ist auch kein Anspruch darauf, dass sofort alles wieder gut ist.

Andersherum musst du als betroffene Person nicht endlos erklären, warum die Bemerkung stört. „Ich habe meine Grenze genannt“ kann das Ende des Gesprächs sein.