Sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität: Was ist der Unterschied?
Kurz gesagt: Sexuelle Orientierung beschreibt, zu wem sich ein Mensch sexuell hingezogen fühlt. Geschlechtsidentität beschreibt, welchem Geschlecht sich ein Mensch zugehörig fühlt. Das eine betrifft Anziehung, das andere das eigene Erleben des Geschlechts. Deshalb sind die Begriffe nicht austauschbar und bestimmen einander nicht.
Bei manchen Menschen passen sexuelle und romantische Anziehung zusammen; bei anderen unterscheiden sie sich. Wenn es um Verliebtsein geht, kann deshalb auch der Begriff romantische Orientierung hilfreich sein. Mehr zu sexueller und romantischer Orientierung.
Vier Begriffe, vier verschiedene Aspekte
Geschlecht und Anziehung lassen sich mit mehreren Begriffen beschreiben. Die Übersicht zeigt, welche Frage jeweils gemeint ist und warum sich aus einem Begriff nicht einfach ein anderer ergibt.
| Begriff | Worum es geht | Was sich nicht automatisch daraus ergibt |
|---|---|---|
| Sexuelle Orientierung | Zu wem oder welchen Geschlechtern sich eine Person sexuell hingezogen fühlt. Manche Menschen beziehen auch romantische Anziehung in ihre Beschreibung ein. | Sie sagt nicht, welches Geschlecht die Person selbst hat. |
| Geschlechtsidentität | Welchem Geschlecht sich eine Person zugehörig fühlt. Das kann zum Beispiel Frau, Mann oder nichtbinär sein. | Sie legt nicht fest, zu wem sich die Person hingezogen fühlt. |
| Geschlechtsausdruck | Wie eine Person Geschlecht nach außen ausdrückt, etwa durch Kleidung, Frisur oder Auftreten. | Äußeres zeigt nicht zuverlässig die Geschlechtsidentität oder sexuelle Orientierung. |
| Bei der Geburt zugewiesenes Geschlecht | Die Geschlechtszuordnung, die bei der Geburt vorgenommen wurde. | Sie muss nicht mit der Geschlechtsidentität der Person übereinstimmen. |
Das Genderwörterbuch erläutert Geschlechtsidentität, Geschlechtsausdruck und weitere Begriffe. Nichtbinär ist eine mögliche Selbstbezeichnung für Menschen, die sich nicht ausschließlich als weiblich oder männlich verstehen. Welche Beschreibung passt, entscheidet die jeweilige Person selbst.
Ein Beispiel: Zwei Beschreibungen können zugleich passen
Eine nichtbinäre Person kann sich zum Beispiel als bisexuell beschreiben. „Nichtbinär“ benennt dabei die Geschlechtsidentität; „bisexuell“ benennt eine sexuelle Orientierung. Die eine Selbstbezeichnung erklärt oder widerlegt die andere nicht. Begriffe wie bisexuell haben außerdem unterschiedliche persönliche Nuancen: Entscheidend ist, wie die Person sie für sich verwendet.
Was du aus Aussehen oder Beziehung nicht ableiten kannst
Stell dir vor, jemand kommt mit einer Frau zu einer Feier. Du weißt dadurch, mit wem die Person dort ist. Ob sie sich heterosexuell, lesbisch, bisexuell oder anders beschreibt, weißt du nicht. Auch ein Kleid, ein Anzug oder eine bestimmte Frisur beantwortet diese Frage nicht. Du kannst die Begleitung einfach beim Namen nennen, ohne eine Geschichte über beide zu erfinden.
Labels sind freiwillige Selbstbeschreibungen
Manche Menschen finden ein Label hilfreich, andere verwenden mehrere Begriffe, ändern ihre Selbstbeschreibung mit der Zeit oder verzichten ganz darauf. Du musst dich selbst nicht einordnen und niemanden nach privaten Einzelheiten fragen. Wenn eine Beschreibung wichtig ist, kannst du die Person respektvoll fragen, wie sie sich selbst bezeichnet; ihre Antwort ist maßgeblich.