Sadismus: Bedeutung und Unterschied zu Masochismus
Sadismus bezeichnet im sexuellen Zusammenhang Lust am Zufügen von Schmerz oder Erniedrigung. Außerhalb davon kann das Wort auch Freude an Grausamkeit meinen. Wenn du „sadistisch“ hörst, lohnt sich deshalb die Frage, ob von einer Vorliebe oder von verletzendem Verhalten die Rede ist.
Sadismus und Masochismus unterscheiden
Der Unterschied liegt darin, welche Seite einer Erfahrung gemeint ist: Bei Sadismus geht es um das Zufügen, bei Masochismus um das Erleben von Schmerz oder Erniedrigung. Die Wörterbucherklärung zu Sadismus stellt diese Bedeutungen gegenüber.
Die Führung zu übernehmen ist damit nicht automatisch sadistisch. „Ich entscheide gern über den Ablauf“ sagt etwas anderes als „Mich interessiert das Zufügen von Schmerz“. Ebenso sagt der Wunsch, Entscheidungen abzugeben, für sich genommen nichts darüber aus, ob jemand Schmerz erleben möchte. Setze Dominanz und Sadismus deshalb nicht einfach gleich.
Wie lässt sich das Wort im Gespräch einordnen?
Je nach Aussage hilft eine andere Nachfrage:
- „Das war sadistisch von ihm.“ Hier könnte grausames Verhalten gemeint sein. Frag nach dem Geschehen, statt eine sexuelle Bedeutung anzunehmen.
- „Ich erkenne mich in dieser Vorliebe wieder.“ Lass die Person erklären, was sie damit meint. Das Wort beschreibt noch keine gemeinsame Vereinbarung.
- „Ich mag es, die Führung zu übernehmen.“ Diese Aussage ist kein Ersatz für eine Beschreibung der gewünschten Erfahrungen.
Du könntest etwa fragen: „Was reizt dich an dem Gedanken?“ oder „Was meinst du ausdrücklich nicht damit?“ Du musst dich selbst nicht auf eine Bezeichnung festlegen, nur weil sie im Gespräch auftaucht.
Eine Vorliebe gibt niemandem freie Hand
Zustimmung muss freiwillig und konkret sein. Sie gilt nicht für alles und kann zurückgenommen werden. Eine frühere Zusage erlaubt kein Weitermachen gegen den aktuellen Willen. RAINN erklärt diese Grundlagen der Einvernehmlichkeit.
Ist Sadismus automatisch eine Störung?
Eine ungewöhnliche sexuelle Vorliebe ist nicht automatisch eine psychische Störung. Die APA Erläuterung von 2013 trennt beides. Eine persönliche Diagnose lässt sich aus dieser Begriffserklärung nicht ableiten.
Wenn du dir Sorgen machst, kannst du im fachlichen Gespräch konkret beginnen: „Mich beschäftigt eine Fantasie, die ich besser verstehen möchte.“ Oder: „Ich habe eine Grenze missachtet und möchte mein Verhalten ändern.“ Beschreibe Gedanken und tatsächliche Handlungen getrennt. Du brauchst kein fertiges Etikett, um eine Frage stellen zu können.