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Polysexualität: Bedeutung und Unterschied zu Polyamorie

Polysexualität bezeichnet sexuelle Anziehung zu Menschen mehrerer, aber nicht unbedingt aller Geschlechter. Der Begriff sagt etwas über Orientierung aus. Polyamorie beschreibt dagegen die einvernehmliche Möglichkeit mehrerer Liebesbeziehungen. Eine polysexuelle Person kann monogam leben, single sein oder andere gemeinsame Beziehungsvereinbarungen treffen.

Was bedeutet polysexuell konkret?

Im Queer Lexikon wird der Begriff mit Anziehung zu mehreren Geschlechtern erklärt. Welche Menschen eine einzelne Person attraktiv findet, lässt sich damit noch nicht aufzählen. Das Wort kann eine Erfahrung zusammenfassen, ohne jedes Detail festzulegen.

Ein erfundenes Beispiel: Alex fühlt sich zu Menschen verschiedener Geschlechter hingezogen, findet die Beschreibung „unabhängig vom Geschlecht“ für sich aber nicht treffend. Alex wählt polysexuell. Jemand mit einer ähnlichen Erfahrung könnte bi bevorzugen. Die Wortwahl muss nicht bei allen identisch ausfallen.

Polysexuell, bisexuell und pansexuell

Bisexuell umfasst Anziehung zu mehr als einem Geschlecht. Pansexuell wird häufig für Anziehung unabhängig vom Geschlecht verwendet. Polysexuell kann sich mit diesen Beschreibungen überschneiden. Das Glossar der UC Davis weist auf diese Nähe hin.

Es wäre deshalb unpassend, Alex nach der Erklärung sofort ein vermeintlich richtiges Label vorzuschlagen. Eine bessere Nachfrage wäre: „Was beschreibt dieses Wort für dich besonders gut?“ Du musst nicht zu derselben Wortwahl kommen, um die Antwort zu respektieren.

Der Unterschied zu Polyamorie

Zwei ähnliche Wörter für verschiedene Fragen
Begriff Leitfrage Was daraus nicht folgt
Polysexuell Zu wem kann Anziehung entstehen? Dass mehrere Beziehungen gewünscht sind.
Polyamorie Sind mehrere Liebesbeziehungen einvernehmlich möglich? Eine bestimmte sexuelle Orientierung.

Einverständnis und Offenheit gehören zur Polyamorie, wie PFLAG in seinem Glossar erläutert. Heimliches Überschreiten von Vereinbarungen wird nicht dadurch einvernehmlich, dass jemand ein anderes Wort dafür benutzt.

Wenn ein Partner auf „Ich bin polysexuell“ mit Sorge über die Beziehung reagiert, kannst du zuerst das Missverständnis klären: „Ich beschreibe meine Anziehung. Ich habe damit noch nichts über andere Beziehungen gesagt.“ Danach könnt ihr besprechen, ob überhaupt eine weitere Frage zu euren Vereinbarungen offen ist.

Warum die aktuelle Beziehung nicht alles erklärt

Mit wem du gerade zusammen bist, ist nur ein Teil deines Lebens. Eine Beziehung kann nicht alle möglichen Formen deiner Anziehung abbilden. Ebenso ist eine Liste früherer Kontakte kein notwendiger Nachweis für ein Label.

Du musst also nicht absichtlich Erfahrungen sammeln, um eine Bezeichnung verwenden zu dürfen. Ein Wort kann zunächst dir selbst helfen. Ob du es beim Dating, in einer Beziehung oder gar nicht nach außen nutzt, bleibt eine persönliche Entscheidung.

Eine verständliche Erklärung finden

Wenn du keine lange Diskussion möchtest, reicht vielleicht: „Ich kann mich zu mehr als einem Geschlecht hingezogen fühlen. Mit der Anzahl meiner Beziehungen hat das nichts zu tun.“ Das beantwortet die häufigste Verwechslung, ohne dass du dich ausführlich rechtfertigen musst.

Bleiben Fragen, kannst du wählen, welche du beantworten willst. „Das erkläre ich gern“ und „Meine Erfahrungen behalte ich für mich“ passen durchaus in dasselbe Gespräch. Eine klare Selbstbeschreibung braucht keine vollständige Offenlegung deines Privatlebens.