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Orgasm Gap: Was die Orgasmuslücke bedeutet

Der Orgasm Gap, auf Deutsch auch Orgasmuslücke, beschreibt Unterschiede in der berichteten Orgasmushäufigkeit zwischen Gruppen. Häufig ist der Unterschied zwischen Männern und Frauen bei Sex mit einer anderen Person gemeint. Eine solche Zahl beschreibt eine Befragung, nicht den persönlichen Wert einer Begegnung.

Zwei Studien, zwei unterschiedliche Fragen

Diese Beispiele zeigen, warum du eine Prozentzahl zusammen mit ihrer Fragestellung lesen solltest:

Untersuchung Gefragte Erfahrung Ergebnis
Australien, Befragung 2001 und 2002 Orgasmus bei der letzten heterosexuellen Begegnung Männer: 95 Prozent; Frauen: 69 Prozent
USA, 2017 online veröffentlicht Üblicherweise oder immer ein Orgasmus bei sexueller Intimität im vergangenen Monat Heterosexuelle Männer: 95 Prozent; heterosexuelle Frauen: 65 Prozent

Die Angaben stammen aus den Forschungszusammenfassungen von Richters und Kollegen sowie Frederick und Kollegen. Sie sind historische Studienbeispiele, keine aktuellen deutschen Bevölkerungswerte.

95 Prozent bedeutet nicht immer dasselbe

In der ersten Zeile geht es um ein bestimmtes letztes Erlebnis. In der zweiten geht es um Personen, die angaben, üblicherweise oder immer einen Orgasmus zu erleben. Aus der zweiten Zahl wird deshalb nicht die Aussage: „Bei 95 Prozent aller Begegnungen gab es einen Orgasmus.“

Auch die beiden Frauenwerte lassen sich nicht als zeitliche Entwicklung lesen. Unterschiedliche Menschen in unterschiedlichen Ländern haben unterschiedliche Fragen beantwortet. Eine Veränderung von 69 auf 65 Prozent wäre hier kein belegter Rückgang.

Was kann ein Gruppenunterschied erklären?

Er zeigt zunächst, dass die Antworten auseinanderliegen. Warum das so ist, ist eine weitere Forschungsfrage. Du kannst aus dem Vergleich allein weder eine körperliche Unfähigkeit noch mangelndes Interesse oder einen Fehler der jeweiligen Partnerperson ableiten.

Für einen konkreten Menschen bleibt deshalb die eigene Erfahrung wichtig. „Wie war es für dich?“ ist eine andere Frage als „Hast du den Durchschnitt erreicht?“ Niemand muss ein statistisches Muster erfüllen oder widerlegen.

Ein Gespräch ohne Erfolgsquote

Wenn du über euer Erleben sprechen möchtest, könntest du fragen: „Was war für dich angenehm, und was hättest du dir anders gewünscht?“ Oder du sagst: „Ich möchte, dass wir meinen Wünschen mehr Raum geben.“

Das sind offene Gesprächsanfänge, kein Rezept für einen Orgasmus. Die Statistik kann Aufmerksamkeit für unterschiedliche Erfahrungen schaffen. Was du möchtest, bleibt trotzdem etwas, das du selbst ausdrücken darfst.