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Demisexualität: Was Anziehung von einer Datingentscheidung unterscheidet

Demisexuell bedeutet, dass sexuelle Anziehung erst nach dem Aufbau einer emotionalen Bindung entstehen kann. Eine solche Bindung führt nicht automatisch zu Anziehung. Entscheidend ist das Erleben, nicht wie viele Treffen du vor Sex abwartest.

Warum Warten nicht dasselbe ist

Du kannst jemanden sofort sexuell attraktiv finden und trotzdem langsam kennenlernen wollen. Bei Demisexualität kann diese Anziehung ohne emotionale Bindung noch nicht entstehen. AVEN unterscheidet ausdrücklich zwischen diesem Erleben und einer Entscheidung, mit Sex zu warten.

Von außen können beide Situationen gleich aussehen. Deshalb lässt sich aus einem frühen, späten oder ausbleibenden sexuellen Kontakt keine Orientierung ablesen. Auch eine feste Anzahl von Dates würde diese Frage nicht beantworten.

Eine Bindung ist kein Versprechen

Ein erfundenes Beispiel: Leon nennt sich demisexuell und lernt Tom kennen. Die beiden verbringen gern Zeit miteinander. Tom erwartet nach einigen Wochen, dass aus dem gewachsenen Vertrauen nun sexuelle Anziehung werden müsse. Leon empfindet aber weiterhin freundschaftliche Nähe.

Leons Beschreibung war kein Versprechen auf einen späteren sexuellen Kontakt. Ein Gespräch könnte deshalb lauten: „Unsere Nähe bedeutet mir etwas. Daraus ist bei mir aber keine sexuelle Anziehung geworden. Ich möchte dir nicht versprechen, dass das noch passiert.” Tom kann daraufhin überlegen, ob Freundschaft für ihn passt, statt eine weitere Wartezeit auszuhandeln.

Welche Unterschiede helfen beim Einordnen?

Begriff Worum es geht
Demisexualität Emotionale Bindung als Voraussetzung dafür, dass sexuelle Anziehung entstehen kann.
Demiromantik Emotionale Bindung als Voraussetzung für romantische Anziehung.
Mit Sex warten Eine Entscheidung darüber, was du wann tun möchtest.

Demiromantik bezieht sich auf romantische Gefühle. Sie ist nicht mit Demisexualität gleichzusetzen. Du kannst sexuelle und romantische Anziehung unterschiedlich beschreiben, ohne beide in ein einziges Wort pressen zu müssen.

Das Queer Lexikon ordnet Demisexualität dem asexuellen Spektrum zu. Das erklärt die Verbindung zu Asexualität; es bedeutet nicht, dass alle Menschen auf diesem Spektrum dieselben Gefühle oder Beziehungswünsche haben.

Über Wünsche sprechen, ohne dich zu rechtfertigen

Du kannst bei einem Kennenlernen zwei Dinge getrennt benennen: was du grundsätzlich über deine Anziehung weißt und was du gerade möchtest. Ein möglicher Satz ist: „Sexuelle Anziehung kann bei mir erst mit emotionaler Nähe entstehen. Ich möchte dich wiedersehen, aber heute noch nicht körperlich näherkommen.”

Dein Gegenüber muss dazu keine Liste früherer Erfahrungen bekommen. Du musst auch nicht beweisen, dass jede Begegnung genau gleich verlaufen ist. Für die jetzige Situation zählt, dass deine Wünsche und Grenzen verstanden werden.

Wenn jemand anderes dir von Demisexualität erzählt, kannst du zunächst zuhören. „Was ist dir beim Kennenlernen wichtig?” ist eine offene Frage. „Wie lange muss ich warten?” macht daraus dagegen einen Zeitplan, den die Person vielleicht gar nicht geben kann.

Wenn du noch nach einem Wort suchst

Du kannst prüfen, ob die Beschreibung etwas an deiner eigenen Erfahrung verständlicher macht. Sie muss keine Aufgabe werden, die du schnell abschließen sollst. Vielleicht hilft dir ein Gespräch mit Menschen, die ähnliche Fragen haben; vielleicht möchtest du erst für dich darüber nachdenken.

Kein Label zu wählen, ist ebenfalls eine Möglichkeit. Du darfst konkret sagen, was du möchtest, auch wenn du noch keine kurze Erklärung für deine Orientierung hast.