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Coitus interruptus: Was die Verhütungsmethode leisten kann und was nicht

Coitus interruptus bedeutet, dass der Penis vor dem Samenerguss aus der Scheide gezogen wird. Dieser „Rückzieher“ soll verhindern, dass Spermien hineingelangen. Als alleinige Verhütung ist die Methode jedoch unsicher: Der richtige Zeitpunkt lässt sich verpassen, und bereits vor dem Samenerguss können Spermien vorhanden sein.

Warum „rechtzeitig aufpassen“ nicht ausreicht

Gerade kurz vor dem Orgasmus muss die Bewegung unterbrochen werden. Wann der Samenerguss beginnt, ist nicht immer gleich. Ein früheres Mal, bei dem das Herausziehen gelungen ist, garantiert deshalb nicht, dass es beim nächsten Mal wieder klappt.

Hinzu kommt der Lusttropfen: Diese Flüssigkeit tritt schon vor dem Samenerguss aus und kann Spermien enthalten. Außerdem kann frische Samenflüssigkeit von den Vulvalippen oder über die Finger in die Scheide gelangen. Der Ort des Samenergusses allein beschreibt deshalb nicht den gesamten Kontakt.

Wie unsicher ist der Rückzieher?

Bei der Anwendung im Alltag werden ungefähr 20 von 100 Frauen, die so verhüten, innerhalb eines Jahres schwanger. Diese Größenordnung zeigt, weshalb sich der Rückzieher nicht eignet, wenn du eine Schwangerschaft verlässlich vermeiden möchtest.

Wichtig ist, was die Zahl bedeutet: Sie beschreibt viele Kontakte über ein ganzes Jahr. Sie bedeutet weder 20 Prozent Risiko bei jedem einzelnen Mal noch, dass vier von fünf Kontakten sicher wären. Für einen konkreten Kontakt lässt sich daraus keine persönliche Wahrscheinlichkeit ausrechnen.

Was sind sinnvollere Alternativen?

Ein Kondom kann sowohl zur Schwangerschaftsverhütung beitragen als auch das Risiko sexuell übertragbarer Infektionen senken. Der Rückzieher bietet diesen Infektionsschutz nicht. Auch bei einer festen Partnerschaft ist das eine eigene Frage neben dem Schwangerschaftsschutz.

Wenn du Hormone vermeiden möchtest, muss die Wahl nicht auf den Rückzieher fallen. Eine Verhütungsberatung kann mit dir passende hormonfreie Möglichkeiten vergleichen. Überlege vorher, was dir wichtig ist: eine Anwendung nur beim Sex, eine länger wirkende Methode oder eine Methode, die du selbst kontrollierst. So beginnt die Auswahl bei deinem Alltag und deinen Bedürfnissen.

Wenn ihr bereits so verhütet habt

Bei einer möglichen Verhütungspanne und unerwünschter Schwangerschaft lass dich möglichst bald in einer Apotheke oder gynäkologischen Praxis beraten. Warte nicht darauf, ob die nächste Blutung einsetzt: Notfallverhütung ist zeitabhängig.

Für das Gespräch reichen zunächst der Zeitpunkt des Sex, die Information über den Rückzieher und weitere verwendete Verhütung. Du musst nicht beweisen, dass Sperma in die Scheide gelangt ist, um nach Hilfe zu fragen. Für künftigen Sex könnt ihr vorher gemeinsam festlegen: „Wir beginnen erst, wenn unsere Verhütung geklärt ist.“