Body Shaming: Abwertung erkennen und Grenzen setzen
Body Shaming bedeutet, jemanden wegen seines Aussehens herabzusetzen oder zu verspotten. Das kann etwa Gewicht, Haut, Körperbehaarung oder einzelne Körperteile betreffen. Die Bedeutung des Begriffs im Duden bezieht sich auf solche Beleidigungen und Demütigungen.
Eine neutrale Beobachtung ist nicht automatisch Body Shaming. „Du trägst heute ein grünes Hemd“ beschreibt etwas. „In dem Hemd siehst du endlich schlanker aus“ bewertet dagegen den Körper und verbindet die Bemerkung mit einer Veränderung. Auch wenn jemand etwas als Kompliment oder Scherz meint, darfst du sagen, dass du solche Kommentare nicht möchtest.
Wie du einen Kommentar einordnen kannst
Du musst die Absicht der anderen Person nicht sicher kennen, um eine Grenze zu setzen. Frag dich kurz: Was wurde gesagt? Wie kam es bei mir an? Möchte ich antworten, nachfragen oder das Gespräch beenden? Das hilft dir, eine Reaktion zu wählen, die zu der Situation passt. Du musst weder sofort schlagfertig sein noch deine Grenze ausführlich begründen.
Eine persönliche Vorliebe ist etwas anderes als eine Abwertung. Du darfst sagen, was du selbst magst. Daraus folgt aber kein Anspruch darauf, dass eine andere Person ihren Körper, ihre Kleidung oder ihr Verhalten verändert. Entscheidend ist, die andere Person nicht herabzusetzen und ihre Entscheidung zu respektieren.
Was du sagen oder tun kannst
- Wenn du den Kommentar stoppen möchtest: „Bitte kommentiere meinen Körper nicht.“ Oder: „Auch nicht als Scherz.“
- Wenn du erst verstehen möchtest, was gemeint war: „Was meinst du damit?“ Danach kannst du entscheiden, ob du weiterreden möchtest.
- Wenn es wiederholt vorkommt: Sprich die Person später unter vier Augen an. Zum Beispiel: „Als du meinen Körper kommentiert hast, war mir das unangenehm. Bitte lass solche Bemerkungen künftig.“
- Wenn du gerade keine Diskussion führen möchtest: „Ich möchte darüber jetzt nicht sprechen.“ Du kannst das Thema wechseln oder gehen.
- Wenn der Kommentar online steht: Du musst nicht antworten. Du kannst den Beitrag verbergen oder die Person blockieren. Falls du antwortest, teile keine persönlichen Informationen, die du für dich behalten möchtest.
Die Sätze sind Vorschläge, keine Pflicht. Du kannst sie kürzer oder direkter formulieren. Wenn du im Moment nichts sagen möchtest, kannst du später darauf zurückkommen oder es dabei belassen.
Ein Wunsch ist kein Auftrag zur Veränderung
In einer Beziehung über Anziehung zu reden ist möglich, aber niemand muss ungefragt eine Liste vermeintlicher Mängel anhören. „Ich sage doch nur meine Vorliebe“ macht einen verletzenden Kommentar nicht automatisch respektvoll.
Wenn du zum Beispiel über unterschiedliche Vorstellungen von Kleidung sprechen möchtest, frage zuerst, ob das Thema gerade willkommen ist. Ein Kompliment für ein Kleid braucht keinen Vergleich mit dem Gewicht der Person. „Die Farbe steht dir gut“ kommt ohne „endlich schlank“ aus.
Geht es eigentlich um wenig gemeinsame Zeit oder fehlende Zärtlichkeit, benenne diesen Wunsch direkt: „Ich vermisse unsere Abende zu zweit.“ Den Körper der anderen Person zum Problem zu erklären beantwortet diese Frage nicht.
Beispiel: Ein Kommentar in einer Runde
In einem erfundenen Beispiel sagt jemand beim Essen zu Alex: „Du hast aber zugenommen.“ Alex möchte keine Diskussion vor der Gruppe führen und antwortet: „Bitte kommentiere meinen Körper nicht. Lass uns beim Thema bleiben.“ Danach wechselt Alex das Thema.
Wenn die Bemerkung Alex später noch beschäftigt, kann Alex die Person unter vier Augen ansprechen: „Dein Kommentar beim Essen war für mich unangenehm. Ich möchte nicht, dass mein Körper zum Gesprächsthema wird.“ So benennt Alex die Situation und die gewünschte Grenze, ohne die Absicht der anderen Person beurteilen zu müssen.
Wenn die andere Person widerspricht
Vielleicht sagt jemand, es sei „doch nur ein Witz“ gewesen, oder verlangt eine Erklärung. Du kannst deine Grenze wiederholen: „Ich verstehe, dass du es so gemeint hast. Ich möchte trotzdem keine Kommentare über meinen Körper.“ Du kannst auch sagen: „Ich möchte das nicht weiter diskutieren“ und das Gespräch beenden.
Wenn du Unterstützung möchtest, kannst du eine vertraute Person ansprechen. In einer Gruppe oder am Arbeitsplatz kannst du überlegen, ob du mit einer zuständigen Person reden willst. Was du als Nächstes unternimmst, entscheidest du selbst.
Wenn du danebenstehst
Ein Gegenkompliment kann gut gemeint sein, lässt den Körper aber weiter im Mittelpunkt. Statt “Du bist doch gar nicht dick” kannst du sagen: “Wir müssen Alex’ Körper nicht bewerten.” Anschließend lässt sich das Gespräch auf ein anderes Thema lenken.
Später könntest du privat fragen: “War meine Reaktion für dich hilfreich, oder soll ich nächstes Mal anders damit umgehen?” So muss die betroffene Person weder vor der Gruppe dankbar reagieren noch erklären, wie sie den eigenen Körper findet.