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Bisexuell: Bedeutung, Selbstbeschreibung und häufige Missverständnisse

Bisexuell beschreibt Anziehung zu mehr als einem Geschlecht. Diese Anziehung muss nicht gleich stark oder gleichzeitig sein. Der Begriff sagt nicht, wie viele Beziehungen du hattest oder welche Beziehungsform du möchtest. Du kannst auch die kurze Bezeichnung bi verwenden.

Bisexuell bedeutet nicht nur genau zwei Geschlechter

Ein verbreitetes weites Verständnis schließt Anziehung zu nicht binären Menschen ein. Der LSVD⁺ erläutert diese inklusive Verwendung von Bisexualität und Bi+. Aus dem Wort allein lässt sich keine starre Aufteilung ableiten.

Du musst deshalb keine Liste möglicher Partner führen, um deine Selbstbezeichnung zu rechtfertigen. Wenn jemand fragt: „Aber zu wie viel Prozent stehst du auf Männer?“, kannst du sagen: „Für mich ist das keine Prozentrechnung. Bisexuell ist das Wort, das meine Anziehung passend beschreibt.“

Anziehung ist keine Beziehungsgeschichte

Du brauchst keine Erfahrungen mit Menschen verschiedener Geschlechter, um dich bisexuell zu nennen. Ebenso macht eine einzelne Partnerschaft dich nicht automatisch heterosexuell, schwul oder lesbisch. The Trevor Project erklärt, warum eine Orientierung keine bestimmte Erfahrung voraussetzt.

Ein Beispiel: Du lebst seit Jahren mit einem Mann zusammen und bezeichnest dich als bi. Bei einem Gespräch fragt jemand, ob du dich nicht längst entschieden hast. Du kannst antworten: „Ich habe mich für einen Partner entschieden. Das ist etwas anderes, als meine Orientierung zu ändern.“ Deine Beziehung braucht keine zusätzliche Offenlegung intimer Erfahrungen, damit diese Antwort gilt.

Sagt das etwas über Treue aus?

Nein. Anziehung und eure Beziehungsabsprachen sind unterschiedliche Fragen. Bisexuelle Menschen können monogam leben. Ein Label ist kein Beleg dafür, dass jemand mehrere Beziehungen möchte oder eine Vereinbarung missachten wird.

Wenn deine Partnerin dir sagt, dass sie bi ist, könntest du zunächst fragen: „Was möchtest du mir darüber erzählen?“ Das lässt ihr Raum. Eine direkte Forderung nach einem Beweis ihrer Treue würde dagegen etwas unterstellen, das sie gar nicht gesagt hat.

Bi, Bi+ oder pansexuell?

Bi+ wird als weiter Oberbegriff verwendet. Pansexuell kann betonen, dass Geschlecht die Anziehung nicht begrenzt. Manche Menschen verwenden mehrere Begriffe, andere einen bestimmten oder keinen. Die ausführliche Gegenüberstellung ist eine eigene Frage; für den Umgang miteinander ist zuerst das selbst gewählte Wort wichtig.

Du darfst bei deiner Bezeichnung bleiben, auch wenn jemand eine andere Definition gelernt hat. Ebenso darf sich deine Wortwahl verändern. Du musst daraus keine öffentliche Erklärung machen.

Respektvoll reagieren

Wenn jemand sich dir anvertraut, reicht eine zugewandte Antwort: „Danke für dein Vertrauen.“ Frag nach, bevor du diese Information anderen weitererzählst. Ob die Person darüber schon offen spricht oder nur mit dir, lässt sich aus dem Gespräch nicht automatisch ableiten.