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Affäre mit Arbeitskollegen: Was du vorher klären solltest

Eine Affäre mit einem Arbeitskollegen betrifft nicht nur die Zeit nach Feierabend. Ihr begegnet euch möglicherweise täglich, arbeitet an denselben Aufgaben und müsst auch dann miteinander auskommen, wenn eine Person mehr möchte oder den Kontakt beendet. Kläre deshalb früh eure Erwartungen, mögliche berufliche Abhängigkeiten und den Umgang mit Privatem im Team.

Gibt es ein berufliches Abhängigkeitsverhältnis?

Überlegt konkret, ob eine Person Aufgaben, Beurteilungen, Schichten oder Entwicklungsmöglichkeiten der anderen beeinflussen kann. Entscheidend ist nicht nur der offizielle Titel. Auch ein informeller Einfluss im Team kann es erschweren, frei zu entscheiden oder eine Meinung zu ändern.

Wenn du selbst Einfluss auf die berufliche Situation des Kollegen hast oder umgekehrt, macht eine private Annäherung zunächst langsamer. Klärt, welche Regeln und Zuständigkeiten an eurem Arbeitsplatz gelten und ob es einen passenden Beratungsweg gibt. Frag bei einer möglichen Anlaufstelle zuerst, wie sie mit Informationen umgeht; versprich oder erwarte keine absolute Vertraulichkeit.

Erwartungen und Grenzen besprechen

Du brauchst nicht sofort ein Etikett für eure Verbindung. Es hilft jedoch, deine eigene Vorstellung zu kennen: Möchtest du etwas Unverbindliches, eine feste Beziehung oder erst einmal herausfinden, ob ihr euch auch außerhalb der Arbeit näherkommt? Die andere Person muss nicht dasselbe wollen. Wichtig ist, dass ihr den Unterschied nicht stillschweigend übergeht.

Du könntest sagen: „Ich verbringe gern Zeit mit dir. Für mich könnte daraus mehr werden. Wie siehst du das?“ Oder, wenn du es unverbindlich halten möchtest: „Ich suche gerade keine feste Beziehung. Ich möchte offen sagen, was ich anbieten kann, damit du selbst entscheiden kannst.“

Du darfst auch eine Grenze setzen, ohne sie zur Verhandlung zu stellen: „Ich möchte Privates nicht während der Arbeit besprechen. Lass uns dafür einen anderen Zeitpunkt finden.“ Wenn du noch unsicher bist, kannst du sagen: „Ich brauche etwas Zeit, um herauszufinden, was ich möchte. Bitte dräng mich nicht zu einer Entscheidung.“

Privates und Arbeit auseinanderhalten

Vereinbart, wie ihr euch während gemeinsamer Aufgaben verhaltet und was ihr Kolleginnen und Kollegen erzählen möchtet. Zum Beispiel: keine privaten Auseinandersetzungen im Team, keine Erwartung besonderer Behandlung und keine Beziehungsgespräche zwischen Arbeitsaufgaben. Solche Absprachen sollten für beide gelten und nicht dazu dienen, eine Person zum Schweigen zu bringen.

Ihr müsst nicht jedes Detail eures Privatlebens mit dem Team teilen. Zugleich ist ein Versprechen wie „Niemand wird jemals davon erfahren“ möglicherweise nicht realistisch. Sprecht lieber darüber, was ihr selbst weitererzählen möchtet, was euch unangenehm wäre und welche betrieblichen Regeln ihr noch prüfen müsst.

Wenn ihr Unterschiedliches wollt

Angenommen, du hoffst auf eine feste Beziehung, während der Kollege unverbindlich bleiben möchte. Du musst nicht zustimmen, nur weil ihr euch schon nähergekommen seid. Du kannst sagen: „Danke, dass du ehrlich bist. Für mich passt etwas Unverbindliches nicht, deshalb möchte ich es dabei belassen.“

Wenn ihr beide weitermachen möchtet, aber euch im Arbeitsalltag weniger Nähe wünscht, könnt ihr verabreden, private Treffen und berufliche Zusammenarbeit bewusst zu trennen. Wenn eine Person das Tempo reduzieren oder ihre Meinung ändern möchte, gilt das ebenfalls: Frühere Zustimmung verpflichtet nicht dazu, weiterzumachen.

Wenn du es beenden oder Abstand nehmen möchtest

Formuliere klar, was sich für dich ändert: „Ich möchte die private Beziehung beenden. Bei der Arbeit bleibe ich freundlich und sachlich, aber ich brauche Abstand.“ Du musst keine Nähe fortsetzen, damit die Zusammenarbeit bequemer wird oder die andere Person nicht enttäuscht ist.

Wird deine Entscheidung nicht respektiert oder wirst du bei der Arbeit bedrängt, suche Unterstützung. Du kannst dir Datum, Situation und beteiligte Personen notieren und vorhandene Nachrichten aufbewahren. Bei sexueller Belästigung nennt die Polizeiliche Kriminalprävention unter anderem Vertrauenspersonen, die betriebliche Beschwerdestelle und das Dokumentieren von Vorfällen. Ein direktes Gespräch mit der belästigenden Person ist keine Voraussetzung dafür, Hilfe zu suchen.

Wenn bereits eine andere Beziehung besteht

„Affäre“ kann auch bedeuten, dass eine bestehende Beziehung betroffen ist. Kläre, welche Absprachen dort gelten, statt eine heimliche Verbindung nur als Frage der Diskretion im Büro zu behandeln. Ein Versprechen wie „Bald trenne ich mich“ ist noch keine geklärte Situation.

Du kannst sagen: „Ich möchte keine geheime Beziehung führen. Solange deine andere Beziehung nicht geklärt ist, möchte ich keinen privaten Kontakt dieser Art.“ Wenn du selbst gebunden bist, liegt die Verantwortung für deine bestehenden Absprachen bei dir. Kolleginnen und Kollegen sollten nicht zum Alibi werden oder private Konflikte mittragen müssen.