Intergeschlechtlichkeit: Bedeutung, Körper und respektvolle Sprache
Intergeschlechtlichkeit bezeichnet angeborene Variationen körperlicher Geschlechtsmerkmale, die nicht in die übliche Einteilung in ausschließlich weibliche oder männliche Körper passen. „Inter*“ und „intersexuell“ begegnen dir ebenfalls als Bezeichnungen. Welches Wort eine Person für sich verwendet, ist individuell.
Was bedeutet Intergeschlechtlichkeit?
Es geht um körperliche Merkmale, beispielsweise Chromosomen oder Geschlechtsorgane. Der Begriff bezeichnet aber nicht eine einzige Anatomie. Die Interessenvertretung OII Germany beschreibt Inter* als Sammelbegriff für unterschiedliche Körper und Erfahrungen. Intergeschlechtliche Menschen bilden deshalb auch nicht einfach eine einheitliche dritte Geschlechtskategorie.
Aus dem Begriff allein lässt sich nicht ablesen, wie eine Person ihren Körper erlebt oder über ihn sprechen möchte. Wenn dir jemand davon erzählt, musst du also weder die persönliche Geschichte erraten noch eine Erklärung für alle intergeschlechtlichen Menschen erwarten.
Intergeschlechtlich oder nichtbinär: Was ist der Unterschied?
Intergeschlechtlichkeit bezieht sich auf Geschlechtsmerkmale. Nichtbinär bezeichnet eine Geschlechtsidentität außerhalb einer ausschließlichen Einordnung als Frau oder Mann. Beides kann zusammenkommen, muss es aber nicht. OII Germany beschreibt ausdrücklich unterschiedliche Geschlechtsidentitäten intergeschlechtlicher Menschen.
| Begriff | Worum es geht |
|---|---|
| Körperliche Geschlechtsmerkmale | Merkmale des Körpers |
| Geschlechtsidentität | Wie jemand das eigene Geschlecht erlebt und benennt |
| Sexuelle Orientierung | Zu wem sich jemand sexuell hingezogen fühlt |
Die Unterscheidung hilft dir, Begriffe nicht gleichzusetzen. Sie ist keine Aufforderung, im Gespräch alle drei Punkte abzufragen. Für eine freundliche Begegnung brauchst du keine Auskunft über den Körper oder das Liebesleben eines Menschen.
Welche Bezeichnung passt?
Du kannst allgemein von intergeschlechtlichen Menschen sprechen. Bei einer konkreten Person orientierst du dich an ihren eigenen Worten. Intergeschlechtliche Menschen e. V. beschreibt auch, dass manche Menschen früher abwertend verwendete Wörter selbstbewusst für sich nutzen. Daraus folgt keine Erlaubnis, dieselben Wörter ungefragt für andere zu verwenden.
Du liest etwa eine persönliche Geschichte, in der jemand sich selbst „Zwitter“ nennt. Wenn du davon erzählst, kannst du sagen: „Die Person verwendet dieses Wort für sich.“ Das ist etwas anderes, als einem anderen Menschen dieses Etikett zu geben. Du musst eine Selbstbezeichnung weder korrigieren noch zu einer allgemeinen Regel machen.
Wenn dir jemand etwas Persönliches anvertraut
Eine Freundin erzählt dir bei einem Spaziergang, dass sie intergeschlechtlich ist. Ein möglicher Einstieg ist: „Danke, dass du mir das erzählst. Möchtest du mehr darüber sprechen?“ Du kannst zuhören, ohne nach Diagnosen, Behandlungen oder Einzelheiten ihres Körpers zu fragen.
Vielleicht erzählt sie von einem unangenehmen Gespräch. Dann passt die Frage: „Was hättest du dir in dem Moment gewünscht?“ besser als eine Frage nach ihren Chromosomen. Greife das auf, worüber sie tatsächlich sprechen möchte.
Privat bleibt privat, auch bei guten Absichten
Später spricht eine Gruppe allgemein über Intergeschlechtlichkeit. Stelle deine Freundin nicht ungefragt als Beispiel vor. Dass sie sich dir anvertraut hat, sagt noch nichts darüber, was sie in dieser Runde erzählen möchte.
Auch ein unterstützend gemeinter Beitrag in sozialen Medien braucht ihre Zustimmung, wenn er ihre Geschichte erkennbar macht. Frage konkret, welchen Inhalt du mit wem teilen darfst. Du kannst dich ebenso für respektvolle Sprache einsetzen, ohne eine persönliche Erfahrung von ihr weiterzugeben.