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Desorganisierter Bindungsstil: Was der Begriff bedeutet

Desorganisierte Bindung bezeichnet in der Bindungsforschung Muster, bei denen eine zusammenhängende Strategie fehlt, um bei Belastung Nähe und Sicherheit zu suchen. Dazu können widersprüchliche oder desorientierte Reaktionen gehören. Auf erwachsene Beziehungen lässt sich der Begriff jedoch nicht einfach anhand einzelner Alltagssituationen übertragen.

Was bedeutet desorganisierter Bindungsstil bei Erwachsenen?

Der Begriff kommt aus der Forschung zu Kindern und ihren Bezugspersonen. Für Erwachsene gibt es verschiedene Forschungsansätze. Eine Studie von Beeney und Kollegen aus dem Jahr 2017 untersuchte beispielsweise unterschiedliche Formen von Bindungsdesorganisation anhand ausführlicher Interviews und fachlicher Einschätzungen. Die meisten Teilnehmenden waren in psychiatrischer Behandlung.

Das ist kein Modell, mit dem du nach einem Streit deinen Partner einordnen kannst. Aus der Studie lässt sich auch nicht ableiten, dass Menschen mit widersprüchlichen Wünschen automatisch eine psychische Erkrankung haben.

Ist Nähe suchen und dann Abstand brauchen schon ein Zeichen?

Allein daran lässt sich kein Bindungsstil feststellen. „Ich freue mich auf dich und möchte heute trotzdem allein sein“ beschreibt zunächst zwei Bedürfnisse. Wenn dich ein wiederkehrender Wechsel belastet, lohnt sich ein genauerer Blick auf die Situationen, statt sofort eine Ursache festzulegen.

In der Forschung zu erwachsenen Paarbeziehungen werden häufig Angst vor Zurückweisung und Vermeidung von Nähe betrachtet. Diese Dimensionen sind nicht automatisch dasselbe wie Bindungsdesorganisation. Einen Einstieg bietet Fraleys Übersicht zur Bindung im Erwachsenenalter.

So kannst du ein schwieriges Muster ansprechen

Stell dir vor, ihr verabredet euch für das Wochenende. Kurz vorher wird der Plan abgesagt, und anschließend bleibt unklar, wann ihr euch wiederseht. Du musst nicht wissen, welcher Bindungsbegriff passen könnte, um diese Unklarheit anzusprechen:

„Ich hatte mich auf unser Treffen gefreut. Wenn du absagst und wir nichts Neues vereinbaren, weiß ich nicht, woran ich bin. Möchtest du einen anderen Tag vorschlagen?“

Wenn du selbst Abstand brauchst, könntest du sagen: „Ich möchte heute für mich sein. Das Gespräch ist mir trotzdem wichtig. Können wir morgen nach dem Frühstück weiterreden?“ Versprich dabei nur etwas, das du auch einhalten möchtest.

Beide Beispiele benennen einen Wunsch und eine konkrete Bitte. Sie sind Gesprächsvorschläge, keine Behandlung oder Anleitung zur Diagnose. Die andere Person darf anders empfinden und einen eigenen Vorschlag machen.

Deine Grenzen brauchen kein passendes Etikett

Du darfst sagen, welche Art von Kontakt du möchtest und was für dich nicht funktioniert. Du musst weder jede Absage hinnehmen noch jederzeit erreichbar sein. Auch die mögliche Erklärung für ein Verhalten verpflichtet dich nicht, eine Beziehung fortzusetzen.

Eine Grenze könnte lauten: „Wenn du mich beschimpfst, beende ich das Gespräch. Ich bin bereit weiterzureden, wenn wir respektvoll miteinander sprechen.“ Damit beschreibst du deine Entscheidung, statt die andere Person mit einem Bindungslabel zu bewerten.

Wann kann Unterstützung hilfreich sein?

Wenn dich Beziehungserfahrungen anhaltend belasten, kannst du eine psychotherapeutische Sprechstunde oder eine ärztliche Anlaufstelle nutzen. Für ein erstes Gespräch brauchst du keine Selbstdiagnose. Ein paar konkrete Situationen reichen als Einstieg: Was ist passiert, wie hast du es erlebt und wobei wünschst du dir Unterstützung?

Ein Begriff kann Orientierung geben. Welche Bedeutung deine Erfahrungen für dich haben und welche Unterstützung passt, lässt sich nicht aus einem kurzen Artikel oder einem einzelnen Testergebnis ablesen.