Konsensuelle Nichtmonogamie: Begriffe und Unterschiede
Konsensuelle Nichtmonogamie bedeutet, dass weitere romantische oder sexuelle Beziehungen mit dem Wissen und der Zustimmung aller Beteiligten möglich sind. Der Ausdruck ist ein Oberbegriff. Eine offene Beziehung und Polyamorie sind mögliche Formen davon, aber keine austauschbaren Wörter.
Was bedeutet konsensuelle Nichtmonogamie?
„Konsensuell“ heißt einvernehmlich. Es reicht also nicht, einer Person nur mitzuteilen, dass du ab jetzt andere Menschen datest. Es braucht eine gemeinsame Vereinbarung. Die Polyamory Legal Advocacy Coalition erklärt CNM als Sammelbegriff für solche einvernehmlichen Beziehungen; die konkreten Absprachen können unterschiedlich sein.
Wenn du die Abkürzungen CNM oder ENM liest, bezieht sich CNM auf consensual non monogamy und ENM auf ethical non monogamy. Beide werden im Umfeld einvernehmlicher Nichtmonogamie verwendet. Eine Bezeichnung mit „ethisch“ beweist allerdings noch nicht, dass sich jemand auch an Vereinbarungen hält.
Offene Beziehung, Polyamorie und Beziehungsanarchie
| Begriff | Worauf es ankommt |
|---|---|
| Offene Beziehung | Eine bestehende Beziehung lässt weitere Kontakte zu. Was dazugehört, muss vereinbart werden. |
| Polyamorie | Raum für mehrere Liebesbeziehungen mit Wissen und Zustimmung der Beteiligten. |
| Beziehungsanarchie | Beziehungen und Verbindlichkeiten individuell gestalten, statt ihre Bedeutung automatisch nach einer festen Rangordnung zu bewerten. |
LIEBESLEBEN erläutert unterschiedliche Beziehungsformen. Beziehungsanarchie ist dabei eher eine Haltung zur Gestaltung von Beziehungen als eine bestimmte Anzahl von Partnerschaften. Im Manifest von Andie Nordgren gehört dazu ausdrücklich, eigene Verbindlichkeiten miteinander zu vereinbaren. Das bedeutet also nicht, dass Absprachen unwichtig wären.
Ein Begriff ersetzt keine konkrete Absprache
Zwei Menschen können dieselbe Bezeichnung verwenden und unterschiedliche Erwartungen damit verbinden. „Offene Beziehung“ kann zum Beispiel für eine Person sexuelle Kontakte außerhalb der Beziehung meinen, während eine andere auch romantische Verbindungen einschließt. Wenn du wissen möchtest, was jemand mit einem Begriff meint, frag nach der persönlichen Bedeutung statt eine feste Definition vorauszusetzen.
Auch eine gemeinsame Bezeichnung erklärt nicht automatisch, welche Absprachen gelten oder wer davon betroffen ist. Dafür braucht es konkrete Gespräche. Ein Etikett ist eine mögliche Kurzbeschreibung, aber kein vollständiger Überblick über eine Beziehung.
Ein Beispiel: Dasselbe Wort, andere Erwartungen
Jana und Leon sagen beide, sie könnten sich eine offene Beziehung vorstellen. Jana denkt dabei an gelegentliche Begegnungen. Leon möchte auch eine weitere feste Beziehung führen können. Ihr gemeinsames Wort hat den Unterschied zunächst verdeckt.
Hilfreicher als „Wir sind uns doch einig“ wäre: „Meinst du einzelne Treffen oder auch eine längerfristige Beziehung?“ Danach können beide sagen, was sie selbst wollen. Ein noch nicht geklärter Punkt ist keine stillschweigende Erlaubnis, ihn einfach auszuprobieren.
Wenn du selbst keine weiteren Beziehungen möchtest
Du kannst die Wünsche eines anderen Menschen respektieren und trotzdem eine exklusive Beziehung wollen. Eine mögliche Antwort ist: „Ich verstehe, dass dir das wichtig ist. Für meine eigene Beziehung wünsche ich mir Exklusivität.“ Das ist keine Einladung zu einem Wettbewerb darüber, wer offener oder moderner ist.
Wenn eure Vorstellungen nicht zusammenpassen, könnt ihr darüber sprechen, ohne schon eine gemeinsame Lösung behaupten zu müssen. Du musst kein Etikett wählen und keine neue Beziehungskonstellation eingehen, nur um das Gespräch freundlich zu halten.